30. Dezember 2019, 19:40 Uhr

Sorgenkind von einst strotzt vor Kraft

30. Dezember 2019, 19:40 Uhr
Vor 25 Jahren hieß sie noch Bundespost, dann wurde sie privatisiert: Die Deutsche Post ist heute ein weltweit tätiger Großkonzern. FOTO: DPA

Bonn (dpa). Die Gelben waren ein milliardenschwerer Verlustbringer, die Grauen hingegen hochprofitabel: Ein Vierteljahrhundert ist es nun her, dass die Bundespost mit ihren gelben Postdiensten und der grauen Fernmeldetechnik aufhörte zu existieren. Als Nachfolger entstanden am 1. Januar 1995 die Deutsche Post und die Deutsche Telekom - beide als Aktiengesellschaften, deren Anteile der Staat aber erst Jahre später an die Börse brachte. Heute ist aus dem hochdefizitären nationalen Postdienst ein profitabler, weltweit tätiger Großkonzern geworden. Man habe eine »tolle Erfolgsgeschichte« geschrieben, sagt Post-Chef Frank Appel im Rückblick.

Wirklich toll war die Stimmung damals aber nicht, als die Privatisierung eingeleitet wurde. Gewerkschafter warnten vor Jobverlusten und miesen Arbeitsbedingungen, Verfechter der freien Marktwirtschaft vor Hemmnissen für Innovation. Im Kern ging es darum, wie Wettbewerber in den Markt kommen und das Angebot für Verbraucher verbessert wird, ohne dass die Nachfolger der Bundespost Schlagseite bekommen. Treiber der Privatisierung war die Fernmeldetechnik, die spätere Telekom - ihr Geschäft war sehr lukrativ, der Markt hatte auch dank aufkommender Handy-Nutzung großes Potenzial. Bei der Post waren die Aussichten zunächst nicht so rosig - der heutige Paket-Boom dank des boomenden Online-Handels war noch nicht absehbar.

Die Debatte war hitzig, die Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern der Post-Privatisierung tief. »Alternativlos« sei der Schritt gewesen, sagt der damalige SPD-Bundestagsabgeordnete Arne Börnsen (75). Die Post wurde eigenständig und wuchs mit der 2002 abgeschlossenen Übernahme der Kurierfirma DHL zur globalen Größe. Der Vorsprung vor der Konkurrenz ist noch immer gewaltig: Laut Bundesnetzagentur liegt der Umsatz-Marktanteil der Deutschen Post DHL im Inland bei 44 Prozent bei Paketen und 86 Prozent bei Briefen.

Die aktuelle Lage ist gut. Nur die steigenden Beschwerdezahlen wegen zu spät oder falsch zugestellter Sendungen passen nicht so recht ins Bild eines strahlenden Branchenprimus. 2019 habe es rund 17 200 Beschwerden gegeben - ein gutes Drittel mehr als 2018. Der Markt ist wegen des Internets im Wandel: Der Briefmarkt schrumpft, der Paketversand boomt. Das seit Mitte 2019 geltende höhere Porto für Briefe und ein ab Anfang 2020 greifender Preisaufschlag für Pakete dürften die Bonner Kassen beim Inlandsgeschäft kräftig klingeln lassen.

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