23. August 2018, 21:54 Uhr

Volkswagen hat Milliardenpläne

23. August 2018, 21:54 Uhr

Berlin (dpa). Volkswagen taucht tief ein in die digitale Welt von Apple und Google: Mit Milliarden-Investitionen in die Vernetzung seiner Autos will der Hersteller künftig am Megatrend Digitalisierung verdienen. Dazu soll das bisherige Kerngeschäft um Lade- und Abrechnungsdienste für E-Autos, Carsharing oder E-Commerce-Angebote ergänzt werden.

Bis 2025 sollten 3,5 Milliarden Euro investiert werden, sagte der Vertriebschef der Kernmarke VW, Jürgen Stackmann, am Donnerstag in Berlin. Die Autos sollten sich zu digitalen Endgeräten auf Rädern wandeln. Technisches Rückgrat für das Online-Ökosystem »Volkswagen We« solle eine neue digitale Plattform werden. VW peilt mindestens eine Milliarde Euro Umsatz bis 2025 an, wie Stackmann ankündigte. Er sprach von einem »Mega-Start-up«. Dafür seien neben Kooperationen auch Übernahmen geplant. Details wurden zunächst nicht bekannt. Auch will VW unter der Submarke »We Share« ein rein elektrisches Carsharing-Angebot an den Start bringen.

Der Auftakt dazu soll im zweiten Quartal 2019 in Berlin sein – mit einer Flotte aus 1500 E-Golf, später kommen 500 E-Up-Kleinwagen dazu. Danach sollten weitere große Städte mit mindestens einer Million Einwohner in Deutschland folgen. Ab 2020 soll das VW-Carsharing auf europäische Märkte sowie ausgewählte Städte in den USA und Kanada ausgeweitet werden.

Auf dem Feld ist Volkswagen aber keineswegs allein – die Konkurrenten Daimler mit »car2go« und BMW mit »Drive Now« sind in Deutschland die Platzhirsche. Auto-Branchenexperte Stefan Bratzel nannte das VW-Vorhaben eine »positive Nachricht«, Carsharing habe bisher keine Priorität gehabt – allerdings sei eine kritische Größe notwendig, um Geld zu verdienen. Das zeige der Zusammenschluss der Angebote von BMW und Daimler. Zwar komme VW »etwas hinterher, aber es ist nicht zu spät«.

Vor dem Wendepunkt

Auf dem Weg zur digitalen Transformation muss sich VW vor allem mit Internet-Riesen wie Google und Apple auseinandersetzen. Beide bieten mit den Smartphone-Integrationen Android Auto und CarPlay eine Alternative zu den Angeboten, die auch die deutschen Hersteller – darunter VW – mit Start-up-Übernahmen und eigener Software aufbauen. Michael Jost, Marken-Strategiechef bei VW, erklärte: »Um diese Entwicklung zu meistern, müssen wir das Auto ein Stück weit neu erfinden.« Mit nur einem Zugang und der neuen Internet-Plattform sollten sich alle Dienste erschließen – »ich brauche nicht mehr 50 Apps«.

Das Jahr 2020 solle »zum Wendepunkt für die Marke Volkswagen« werden: von da an will VW seine gesamte Flotte vernetzen, jährlich würden mehr als fünf Millionen Neuwagen »Teil des Internets der Dinge«. Die neue digitale Plattform lasse sich mit jedem Endgerät bedienen.

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