22. Januar 2019, 20:47 Uhr

Zu wenig Klimaschutz

22. Januar 2019, 20:47 Uhr

Davos (dpa). Die Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos steht gleich zu Beginn in der Kritik. Teilnehmer forderten zum Auftakt am Dienstag, das WEF-Treffen müsse konkrete Probleme ansprechen statt wolkige Konzepte zu diskutieren. »Es gibt jedes Jahr ein bestimmendes Thema in Davos. Und in diesem Jahr müsste Klima dieses Thema sein«, sagte Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan. Brasiliens neuer Präsident Jair Bolsonaro trat bei seinem ersten internationalen Auftritt Befürchtungen entgegen, seine Regierung werde den Umweltschutz zurückfahren.

WEF-Gründer Klaus Schwab rief bei der Eröffnung zur Zusammenarbeit auf. »Das Treffen wird den Zustand der Welt betrachten und zusammenarbeiten, um den Zustand der Welt zu verbessern«, kündigte er in dem Alpenort an. »Wir sind an einer Kreuzung für die Menschheitsgeschichte, nun müssen wir die Zukunft gestalten.«

Im Mittelpunkt des viertägigen Treffens stehen in diesem Jahr die »Globalisierung 4.0« und die Herausforderungen, die sich durch diese neue Phase der zunehmenden Vernetzung ergeben. Schwab forderte, der Mensch müsse stärker im Zentrum stehen. »Wir sind in gewisser Weise in einem Kampf zwischen Robotern und Menschen. Wir wollen keine Sklaven der neuen Technologien werden.« Das WEF kümmere sich um nachhaltige Entwicklung und die Ethik automatischer Produktionsprozesse, aber adressiere grundlegende Fragen nicht, kritisierte indes Mohammed Hassan Mohamud, einer von sechs jungen Vorsitzenden des Jahrestreffens 2019. Ähnlich äußerte sich Greenpeace-Chefin Morgan. »Das ganze Konzept und der Ansatz hier sind unvereinbar mit der Realität des Klimawandels«, sagte sie.

Junge Teilnehmer forderten eine stärkere Förderung örtlicher Projekte. »Alle Ideen müssen lokal umgesetzt werden«, sagte die Japanerin Akira Sakano. Sie leitet in einer japanischen Stadt ein Projekt zur Abfallvermeidung. »Es ist Zeit, mutig und unbequem zu sein«, sagte die Schwedin Noura Berrouba, Mitglied des europäischen Jugendparlaments, mit Blick auf drängende Fragen wie den Klimawandel. »Denn was sagt es über das weltweite Engagement aus, wenn wir die Lösungen haben, aber so wenig passiert?«

Der britische Naturfilmer Sir David Attenborough forderte die Teilnehmer zum Einsatz gegen den Klimawandel auf. »Wir tun den Ozeanen sehr schlimme Dinge an.« Am Dienstag betonte Attenborough in einem öffentlichen Gespräch mit dem britischen Prinzen William: »Wir haben die Macht, wir haben das Wissen, um in Harmonie mit der Natur zu leben.« Bolsonaro sagte, Brasilien tue sehr viel für Umwelt und Naturschutz. »Wir wollen Fortschritt erzielen und gleichzeitig Umweltschutz und Artenvielfalt erhalten.« Allerdings betonte Bolsonaro auch, dass die größte Volkswirtschaft Südamerikas über zahlreiche natürliche Ressourcen verfüge, die wirtschaftlich genutzt werden könnten. Dem Kampf gegen die Klimaerwärmung wolle er sich aber nicht verweigern: »Wir wollen mit der ganzen Welt zusammenarbeiten, um die CO2-Emissionen zu senken.«

USA bleiben der Konferenz fern

Zahlreiche Sicherheitskräfte sind in der ganzen Schweiz wegen der Konferenz im Einsatz. Außer der Polizei können bis zu 5000 Soldaten eingesetzt werden. Die Kosten belaufen sich auf etwa 32 Millionen Schweizer Franken (28 Mio Euro), wie örtliche Medien berichteten. Der Luftraum über Davos ist in einem Umkreis von 46 Kilometern und bis zu 6000 Metern Höhe gesperrt. Viele Staats- und Regierungschefs werden mit Helikoptern in das Tal eingeflogen.

An der Tagung nehmen mehr als 3000 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft teil. An diesem Mittwoch wird Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Davos erwartet. US-Präsident Donald Trump hatte seinen Besuch wegen des Haushaltsstreits abgesagt, auch eine US-Delegation mit mehreren Ministern stornierte deshalb die Reise.

Trump beklagte sich am Dienstag auf Twitter über Kritik an seinem Fernbleiben. »Als ich beim letzten Mal nach Davos gefahren bin, sagten die ›Fake News‹, ich solle nicht hinfahren«, schrieb er dort. »In diesem Jahr habe ich mich entschieden, wegen des ›Shutdowns‹ nicht hinzufahren, und die ›Fake News‹‹ sagten, ich solle dort sein.« Wegen des teilweisen Regierungsstillstands in den USA blieb auch die übrige amerikanische Regierungsdelegation der Konferenz fern.

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