19. Dezember 2017, 11:26 Uhr

Verfassungswidrig

Update: Studienplatzvergabe für Medizin teilweise verfassungswidrig

Diese Entscheidung dürfte deutliche Auswirkungen auf die Uni Gießen haben: Das Verfassungsgericht hat die Vergabe der Studienplätze für das Medizin-Studium für teilweise verfassungswidrig erklärt.
19. Dezember 2017, 11:26 Uhr
Die Vergabe der Medizin-Studienplätze ist teilweise verfassungswidrig. (Foto: dpa)

Das Vergabeverfahren für Studienplätze im Fach Humanmedizin ist teilweise verfassungswidrig. Das entschied das Bundesverfassungsgericht am Dienstag in Karlsruhe. Entsprechend dürfte sich die Studienplatzvergabe auch an der Justus-Liebig-Universität Gießen deutlich ändern. Hier sind in der Humanmedizin aktuell etwa 2500 Studenten eingeschrieben.

Was bemängeln die Richter?

Die aktuellen Regelungen verletzen den grundrechtlichen Anspruch der Studienplatzbewerber auf gleiche Teilhabe am staatlichen Studienangebot, entschied das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil am Dienstag in Karlsruhe. Grundsätzlich sei die Vergabe nach den besten Abiturnoten, nach Wartezeit und nach einer Auswahl durch die Universitäten aber mit dem Grundgesetz zu vereinbaren.

Konkrekte Änderungen bei Vergaberegelung

Entsprechend müsse die Zahl der Wartesemester, die aktuell etwa bei 15 liegt, enger begrenzt werden, entschied der Erste Senat unter Vorsitz von Ferdinand Kirchhof. Auch dürfe eine Festlegung auf höchstens sechs gewünschte Studienorte nicht dazu führen, dass ein Bewerber, der eigentlich erfolgreich wäre, am Ende leer ausgeht. Im Auswahlverfahren bei den Hochschulen müsse eine Vergleichbarkeit der Abiturnoten über Landesgrenzen hinweg sichergestellt werden. Auch dürfe hier die Abiturnote nicht das einzige Kriterium sein. Die Regelung müsse bis zum 31.12.2019 geändert werden.

Zwei Humanmedizin-Bewerber hatten geklagt

Zu den Urteilsgründen äußert sich der Erste Senat aktuell in einer ausführlichen mündlichen Begründung. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hatte zwei Fälle von Bewerbern vorgelegt, die bei langen Wartezeiten keinen Studienplatz im Fach Humanmedizin bekommen hatten.

Wie läuft die Studienplatz-Vergabe bisher?

Ein sehr gutes Abitur kann Bewerbern aktuell einen Studienplatz sichern. Nach den aktuellen Regeln werden 20 Prozent der Plätze nach diesem Kriterium (Bestenquote) vergeben. Aktuell ist ein Schnitt von 1,0 bis 1,2 dafür nötig. Ein weiteres Fünftel wird nach Wartezeit vergeben. Dafür ist aber viel Geduld erforderlich - inzwischen sind es 14 bis 15 Semester. Die übrigen 60 Prozent der Studienplätze können die Hochschulen in einem eigenständigen Auswahlverfahren vergeben. Aber auch dabei spielt die Abiturnote eine wichtige Rolle. Zusätzlich kann es Tests oder Gespräche geben. Bewerber können ihre Chancen durch zusätzliche Qualifikationen verbessern. Dazu gehört etwa eine Ausbildung zum Rettungsassistenten.

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