13. Oktober 2017, 12:22 Uhr

»Blindes Eis«

Familiendrama im fernen Island

13. Oktober 2017, 12:22 Uhr

Der abgelegene Fjord Héðinsfjörður im Nordosten Islands ist Schauplatz einer mysteriösen Familiengeschichte. Auf dem einzigen Bauernhof weit und breit wagten in den 1950er Jahren zwei Schwestern mit ihren Ehemännern das Abenteuer, schotteten sich ab und lebten in Ruhe von der Landwirtschaft. Bis eine der Frauen stirbt und das Leben in der Einsamkeit ein abruptes Ende findet.

Eine Foto der Gruppe landet 60 Jahre später vor Ari Þór Arason, Polizist im nahe gelegenen Siglufjörður. Darauf: Die beiden Paare und ein Baby in den Armen eines Unbekannten. Hédinn, das Kleinkind auf dem Bild, möchte nun Klarheit. Es glaubt nicht, dass seine Tante damals bei einem Unfall ums Leben kam und wendet sich an die Polizei. Aris Ermittlungsdrang kommt es gelegen, dass ein Ebola-Fall Siglufjörður unter Quarantäne stellt. So hat er Zeit, sich mit der Geschichte der Familie zu beschäftigen.

Bei seinen Nachforschungen, für die er mit der ehrgeizigen Journalistin Ísrún zusammenarbeitet, entdeckt er zahlreiche Ungereimtheiten. Ísrún ist parallel in Reykjavík mit einem Fall der Gegenwart beschäftigt: Es geht um Kindesentführung und Mord – Dinge, die auf Island definitiv nicht zum Tagesgeschäft gehören. Erst recht nicht, wenn die Regierung beteiligt zu sein scheint.

Wer bei tragischem Familiendrama, Kidnapping und einem Ebola-Fall im Norden Islands auf einen Thriller hofft stellt das Buch nach etwas mehr als 300 Seiten etwas enttäuscht ins Regal. Ragnar Jónasson schafft es mit »Blindes Eis« zu selten, Spannung aufzubauen. Zu viel Vergangenheit hat Polizist Ari in dem Buch zu bewältigen. Für den Leser ist der Ausgang der Familien-Story zwar interessant, Gänsehautmomente bleiben leider aus. Überzeugend und einfühlsam ist hingegen der ruhige und im Normalfall harmonische isländische Alltag beschrieben.

Dieser Titel ist bereits der dritte Fall für Ari. Bevor Jónasson selbst zum Autor wurde, bestimmte Agatha Christie das Leben des 41-Jährigen, der in Reykjavík als Rechtsanwalt arbeitet: Mehr als 15 Bücher hat er von ihr ins Isländische übersetzt. dpa

Ragnar Jónasson: »Blindes Eis«. S. Fischer Verlag, Frankfurt. 336 S., 10,99 Euro, ISBN 978-3-596-29752-8

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