07. Februar 2020, 15:32 Uhr

ZU GUTER LETZT Schädlinge

Morgen

Ein Indoor-Garten unter Pflanzlampen liefert selbst im Winter frische Salate und Kräuter. Wir haben drei Systeme ausprobiert. Mit Erfolg. Das Fazit ist trotzdem skeptisch.
07. Februar 2020, 15:32 Uhr
Am besten gießt man Zimmerpflanzen im Winter über den Untersetzer. Das verhindert, dass zu viel Nässe in den Topf gelangt. FOTO: DPA

Einen Garten

zu pflanzen,

bedeutet an

morgen zu glauben.

Audrey Hepburn

Dieser Winter ist bislang harmlos - das ist ein guter Umstand für Blattläuse. Sie werden nicht durch Fröste abgetötet, und es droht schon früh und heftig eine Blattlaus-plage im neuen Gartenjahr.

Denn der natürliche Lebenszyklus kommt nicht an sein Ende. Im Spätsommer wandern die meisten Blattläuse auf ihre Winterwirtspflanzen und produzieren dort sogenannte Wintereier. Sie sind die Basis für die neue Population im nächsten Jahr.

Die erwachsenen Tiere sterben hingegen in normalkalten Wintern ab. Bleiben jedoch längere Frostperioden aus, können sie aber überleben - und sich schon früh im nächsten Frühjahr weitervermehren, zusätzlich zu den ersten Tieren aus den Wintereiern. dpa

Trauermücken sind lästig, aber harmlos. Zwar ernähren sich ihre kleinen Larven von feinen Wurzeln - aber nur von den bereits abgestorbenen.

Sterben Zimmerpflanzen vermeintlich ab und man sieht viele kleine Trauermücken und ihre würmchenförmigen Larven an ihnen, hat das einen anderen Grund: Nässe und Luftmangel im Topf haben dazu geführt, dass die Wurzeln abgestorben sind, erklärt die Bayerische Gartenakademie. Die Pflanze wurde folglich nicht mehr ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Trauermücken-Larven sind nur Nutznießer des Todeskampfes.

Trauermücken und ihre Larven bemerken Hobbygärtner oft im Winter an Zimmerpflanzen. Denn in diesen lichtschwachen Monaten mit trockener Heizungsluft im Zimmer wird tendenziell zu viel gegossen.

Als Maßnahme gegen die Trauermücken und das Absterben sollte man die Erde möglichst trocken halten - ohne natürlich die Pflanzen auszutrocknen. Am besten wird das Wasser in einen Untersetzer gegeben und überschüssiges, nicht aufgenommenes Wasser bald entfernt.

Außerdem hilft eine Schicht feiner Sand auf der Erdoberfläche des Topfes. Diese erschwert den Trauermücken die Eiablage. dpa

Sie heißen Smart- oder Indoor-Garten, passen aber in keine Kategorie: Pflanzsysteme fürs Haus mit speziellen Lampen, die für Gemüse und Kräuter das Tageslicht ersetzen, sollen die Ernte auch im Winter möglich machen.

Die Geräte: Zweimal Luxus, einmal DIY-Feeling - Einige der Pflanzen wurden in zwei Systemen mit Wasserversorgung über einen integrierten Tank und Zeitschaltuhr gezogen: dem Gerät Smart Grow6 von Bosch und dem Smart Garden Click & Grow von Emsa.

Als drittes Modell wurde die Pflanzenlampe Växer von Ikea ausprobiert, die sich in eine Halterung integrieren oder alleine verwenden lässt. Da ein passender Kasten nicht zur Verfügung stand, war Improvisation nötig. Wir haben die Lampe an einem Überbau montiert. Man kann die Leuchte aber zum Beispiel auch mit doppelseitigem Klebeband unter ein Regalbrett kleben.

Die Kosten: 35 bis 250 Euro - Das Bosch-Gerät ist mit 149,99 Euro für das System mit drei Pflanznischen und mit 249,99 Euro für das Sechser-Modell das teuerste. Emsas Modell mit drei Pflanzstellen kostet 99 Euro, das Neuner-Modell 199,99 Euro. Die Leuchten von Ikea gibt es für 35 Euro. Im Baumarkt findet man ähnlich preisgünstige Modelle.

Während man hier auch Samen aus eigener Ernte oder Saatgut aus dem Supermarkt oder Fachhandel nehmen kann und es in einen Kasten mit Erde steckt, sind für die vollautomatischen Systeme spezielle Pflanzkapseln nötig. Die Kosten bei Emsa und Bosch belaufen sich auf 9,99 Euro für je drei Kapseln einer Pflanzenart. Dafür braucht man weder Substrat noch ein extra Gefäß.

Der Stromverbrauch - Der Verbrauch hält sich in Grenzen: Ikea nennt einen monatlichen Stromverbrauch von 4,8 Kilowattstunden bei 16-stündiger Beleuchtung pro Tag. Bei Bosch sind es beim Smart Grow 6 rund 4,3 kWh pro Monat (9 Watt pro Stunde).

Spezielles Rot-Blau-Licht fürs Grün - Pflanzleuchten unterscheiden sich von gewöhnlichen Leuchtmitteln an deren Farbspektrum. Die Ikea-Leuchte beispielsweise besteht zu 25 Prozent aus blauem, zu 35 Prozent aus grünem und zu 40 Prozent aus rotem Licht. Das Licht macht Fotosynthese auch bei Abwesenheit von Sonnenlicht möglich.

Nährstoffe und Wasser - Bei den automatischen Pflanzsystemen erhalten die Sämlinge Wasser über einen Tank, der anfangs wochenlang nicht nachgefüllt werden muss, weil die Pflanzen noch ganz klein sind. Später muss man alle paar Tage auffüllen. Nährstoffe erhalten die Pflanzen bei Emsa über Zusatzstoffe in den Kapseln, bei Bosch kommt ein Granulat ins Wasser. Die Pflanzlampen in den beiden Geräten arbeiten in einem Rhythmus von 16 Stunden Beleuchtung und acht Stunden Pause. Bei Bosch ist auch ein Urlaubsmodus für verringertes Wachstum möglich.

Dagegen liefert die Ikea-Lampe nur das Licht. Die Samen und später daraus erwachsenen Pflanzen müssen wie gewöhnliche Zimmer- und Gartenpflanzen umsorgt werden.

Was gefällt: Kaum Pflege, gutes Ergebnis - Bei Bosch und Emsa überzeugt die nahezu automatische Pflege. Innerhalb von Tagen zeigen sich die ersten Keimlinge, und man kann ihnen quasi beim Wachsen zusehen - ohne selbst etwas tun zu müssen. Auch das Vereinzeln und Umsetzen der Sämlinge entfällt.

Aber auch die einfachere Anzuchtvariante mit der Ikea-Pflanzlampe über normalen Töpfen funktioniert schnell, nur muss man die Jungpflanzen aufgrund der Leuchte wesentlich häufiger gießen als üblich. Die weitere Pflege entsprach der eines normalen Balkonkastens.

Schon nach wenigen Wochen ließen sich bei allen Geräten frische und aromatische Kräuter ernten. Diese lassen sich jeweils über einen längeren Zeitraum beschneiden - wenn man nicht alle Blätter zugleich abschneidet. Unser Urteil: Eine echte Alternative für den Winter, wenn der Kräutergarten draußen schläft.

Was stört: Die Disco-Beleuchtung - Wir haben zwei der Geräte in geschlossenen Räumen, aber mit Türen mit Glasanteil getestet. Das dritte Gerät stand in einem offenen Wohnraum aus Küche, Ess- und Wohnbereich. Tagsüber fallen die Geräte kaum auf, es sei denn, man arbeitet direkt in ihrer Nähe - dann blendet die intensive Beleuchtung auf Sitzhöhe.

Wird es dunkel, fällt die Beleuchtung extrem auf - und stört. Selbst die Tester, die einen Gewöhnungseffekt bei sich festgestellt haben, sagten am Ende: Disco-Licht im Wohnraum muss nicht sein. Der Rat: Die Geräte am besten in Räumen aufstellen, die man weniger nutzt, oder wo der dauerhafte Lichtschein weniger stört -- zum Beispiel in einer Küchennische oder Abstellkammer.

Danach gefragt, hat auch der Hersteller Emsa einen Tipp: Über den integrierten Timer könne der Beleuchtungszyklus den persönlichen Präferenzen angepasst werden. Und: Sind die Pflanzen ausgewachsen, lasse sich bei gutem Umgebungslicht zeitweilig auf eine zusätzliche Beleuchtung verzichten.

Bosch betont, dass das Gerät »an fast jedem beliebigen Ort aufgestellt werden« kann. Es sollte nur nicht im direkten Sonnenlicht sowie in der Nähe von Heizkörpern, Klimaanlagen oder elektronischen Geräten stehen, da dies die natürlichen Wachstumsbedingungen der Pflanzen beeinträchtigt.

Was uns noch störte: Der Erntedruck - Die Pflanzsysteme funktionieren so gut, dass die Kräuter regelmäßig geerntet werden müssen - die Tester allerdings brauchten gar nicht so viele Kräuter im Alltag. Die Folge: Die Pflanzen wuchsen zu hoch und holten sich an den Leuchten Sonnenbrand.

Hersteller Bosch rät, so oft zu ernten, dass zwischen den Pflanzen und den Lampen rund fünf Zentimeter Abstand bleibt. Emsa empfiehlt fünf bis zehn Zentimeter. Bei beiden Vollautomaten waren auch Verlängerungsarme für die Lampen-Ständer dabei, die man laut Hersteller einsetzen soll, wenn die Pflanzen die jeweilige Höhe erreichen.

Unser Ergebnis: Zweck erfüllt - Ein Kräutergarten in der Küche mit einer Ernte das ganze Jahr über - dieses Werbeversprechen der Anbieter klingt gut. Und es erfüllt sich. Alle Pflanzleuchten lieferten gute Ergebnisse und leckeres Grün. Und man weiß, woher die Kräuter stammen und was in ihnen steckt. Sie sind garantiert frei von Chemie und eben lokal produziert.

Trotzdem sollte man sich die Frage stellen: Braucht man die Pflanzsysteme und -leuchten wirklich? Für die frische Ernte von Kräutern lassen sich viel kostengünstiger erntereife Küchenkräuter im Topf kaufen, die den Winter an der Fensterbank aushalten. Ihr Zuwachs hält sich zwar aufgrund des Lichtmangels in Grenzen, aber sie reichen für den Grundbedarf beim Kochen aus.

Generell gilt: Große Erwartungen an die Ernte von Salaten darf man nicht haben. Mit unserer Ausbeute lässt sich die Selbstversorgung nicht bewältigen. »Salate sind weniger als volle Mahlzeit für eine fünfköpfige Familie anzusehen, aber blattweise abgeerntet für Sandwich und Co. genau die passende Menge, ohne dass Reste weggeworfen werden müssen«, erklärt Hersteller Emsa dazu.

Bosch betont, die Geräte seien eine Lösung für alle, die nicht den passenden Ort für Blumentöpfe oder Beete haben und trotzdem ganzjährig frische Kräuter anbauen möchten. Das Gerät der Firma ist auch ein Lifestyle-Produkt: Es richte sich »an alle, für die die Küche einen wichtigen und zentralen Raum darstellt, der hohen Ansprüchen an Design und Ausstattung gerecht werden muss«. In der Tat, schick sehen sie aus - und fallen Hausgästen direkt ins Auge.

Fazit: Die Geräte sind in der Tat eine Zusatzlösung für Menschen, die sich bestmöglich von Selbstproduziertem ernähren wollen. Zumindest ihren Kräuterbedarf decken sie so an den dunkelsten Wintertagen selbst ab. Aber davon wird man natürlich noch nicht satt. Und drei Blätter pro Woche machen noch keinen leckeren Salat.

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