30. Juni 2017, 15:14 Uhr

Wüste in grüne Oase verwandeln

30. Juni 2017, 15:14 Uhr
Was bleibt, nachdem die Bauarbeiter weg sind: strapazierter Boden, der Pflege benötigt. (Foto: dpa)

Das Eigenheim ist endlich fertig, die Bauleute sind abgezogen. Zeit, den Garten anzulegen. Bevor jedoch Pflanzen, Bäume und Sträucher eingekauft werden, empfiehlt es sich, den Boden genau unter die Lupe zu nehmen. Denn der hat in der Bauphase ganz schön gelitten.

»Manche Baufirmen hinterlassen eine Steppe«, weiß Christian Nielsen vom Bund Deutscher Baumschulen in Berlin aus Erfahrung. Er betreibt eine Baumschule in Soltau und sieht, dass die Gartenflächen nach dem Hausbau häufig auch als Lager für Müll und Bauschutt missbraucht werden. »Wenn dann nur ein paar Lkw-Ladungen Mutterboden draufgeschüttet werden, wächst dort normalerweise nicht viel.

»Damit sie nicht auf dem Schaden sitzen bleiben, sollten Bauherren schon bei den Vertragsverhandlungen darauf bestehen, dass die Leistungsbeschreibung eine sachgerechte Rekultivierung des Bodens enthält. »Dazugehört, nach dem Bauprozess zu überprüfen, in welchem Zustand der Boden ist, ob Verdichtungen, Rückstände von Baumaterialien oder andere Folgeschäden vorhanden sind«, rät Gerhard Milbert, Sprecher des Kuratoriums Boden des Jahres. »Denn der Zustand des Bodens ist ganz entscheidend dafür, wie sich der Garten in den nächsten Jahrzehnten entwickeln kann. »Ideal für das Anlegen von Nutz- oder Ziergärten wäre ein sogenannter Hortisol, ein Gartenboden mit einem mächtigen, humusreichen Oberboden, der sehr fruchtbar ist. Er zeichnet sich durch ein besonders aktives Bodenleben mit vielen Regenwürmern und Mikroorganismen aus, die das Bodenmaterial zersetzen und durchmischen. Dadurch bildet sich ein eigener humusreicher und krümeliger, meist dunkelgrauer Bodenbereich.

Doch von diesem Idealzustand sind viele Neubau-Gärten weit entfernt. Oftmals bemerken Häuslebauer erst beim Anlegen der Begrünung, dass etwas mit dem Boden nicht stimmt. »Das Wasser versickert an manchen Stellen nicht, Stauwasser steht auf der Fläche«, zählt Milbert auf. »Das hat Folgen für die Pflanzen. Sie bekommen zu wenig Sauerstoff, vergilben und gehen schließlich ein.«

Aber erst nach Jahren zeigen sich die Schäden an den Bäumen. Sie können durch die mechanischen Barrieren im Boden keine tiefen Wurzeln bilden. »Ihnen bleibt nur die oberste Schicht Mutterboden. Viele verkümmern deshalb.

»Es lohnt sich langfristig, vor dem Anlegen des Gartens den Boden aktiv aufzulockern und mit Nährstoffen anzureichern. »Das erleichtert später die Gartenarbeit, die Pflanzen entwickeln sich viel besser und haben ein längeres Leben«, erklärt Nielsen. Am besten ist es, damit zu beginnen, ehe die ersten Hecken eingesetzt und Wege angelegt wurden. »Danach ist es schwierig, sich mit Maschinen und Geräten im Garten zu bewegen. »Schwere Böden müssen tief, sandige Böden weniger tief gelockert werden.

Muttererde mit Kompost

»Das geht entweder durch mechanisches Aufgraben oder durch den Einsatz einer Sonde mit Druckluft«, erklärt Milbert. Ganz wichtig ist, dass der Boden dabei völlig trocken ist. »Einen feuchten Boden aufzulockern, bringt gar nichts.« Solche Arbeiten erledigt man also am besten im Hochsommer mit langen Trockenperioden. Nach dem Auflockern wird Mutterboden aufgebracht. »Es zahlt sich aus, ihn mit Kompost zu vermischen – auf drei Lkw Mutterboden ein Lkw Kompost«, rät Gärtner Nielsen. »So kommen wichtige Nährstoffe hinein, und der Humusanteil erhöht sich.

»Der Mutterboden sollte dann nicht nur oberflächlich aufgetragen, sondern gut mit dem vorhandenen Bodenmaterial verbunden werden.

Wer seinem Garten darüber hinaus etwas Gutes tun möchte, spendiert ihm vor der ersten Bepflanzung eine Gründüngung. »Das ist die Deluxe-Variante der Bodenvorbereitung«, sagt Nielsen. dpa

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